Der Kampf mit dem kurzen Schwert und Buckler nach der deutschen Schule

22. 2. 2010 – 19:15
Harald Winter

Schwert und Schild sind die Ur-Bewaffnung der legendären „Ritter“. Eine Sonderform des Schildes stellt der Buckler dar, der kleine Faustschild. Buckler findet man bereits in den frühesten Darstellungen. Herbert Schmidt widmet sich endlich seinem Steckenpferd und erläutert gekonnt den Umgang mit diesen Waffen.

Leider fehlten dem Verfasser dieser Rezension die lyrischen Fähigkeiten des Rezensenten der legendären Beschreibung von Teil 1 (siehe Linkliste), jedoch kann man dessen Worte fast vollständig auch auf das neue Werk vom Xibi Herbertschmid oder auch kurz Herbert Schmidt genannt, übertragen.

Altbewährtes blieb bestehen

Das Format des Buches ist abermals mittelquart, die Verarbeitung ist sehr gut, die Struktur sinnvoll. Die Lesbarkeit ist einfach und einer Anleitung würdig. Schmidt verzichtet auf komplexe Wortkonstrukte und auf verschachtelte Sätze. Dadurch behalten die Beispiele ihre Aussagekraft. Auch ist seine Wortwahl selbst sehr einfach und somit für jeden verständlich, ohne aber dabei primitiv zu wirken.

Neue Waffen, neue Techniken

Anders als im ersten Buch „Schwertkampf Teil 1 – Der Kampf mit dem langen Schwert“ beschäftigt sich Schmidt hier nun mit seinem eigentlichen Steckenpferd: Dem Kampf mit dem Schwert und dem Buckler. Der Großteil des Buches ist der Hauptquelle zu diesem Thema gewidmet, dem I.33 (Bibliothekskennzeichnung in der Tower-Bibliothek), auch Towerfechtbuch (weil dort einmal aufbewahrt wurde) oder Walpurgisfechtbuch (weil eine gewisse Walpurga in dem Fechtbuch auftaucht) genannt. Kleinere Kapitel findet man zu den Meistern Lignitzer, Thalhofer und Kal. Dazu kommen noch Themen wie Waffenkunde, geschichtliche Hintergründe der Waffe sowie Sparring- und Sicherheitstipps.

Erheiternd ist es, dass Schmidt sich bereits im Vorwort für die Fehler im Buch entschuldigt und darum bittet, nicht zu hart mit ihm ins Gericht zu gehen, falls einmal eine Erläuterung zu einem Fachwort erst viele Seiten später erfolgt.

Die Fotos! Die Fotos!

Kommen wir aber nun zum Inhalt, dieser ist wie beim ersten Teil in drei Bereiche gegliedert. Ein Bereich umfasst die Erzählformen, in der Techniken erläutert und begründet werden, der zweite Bereich umfasst die Fotos mit ihren Beschreibungen und der dritte bezieht sich auf die kurzen, prägnanten Technikbeschreibungen. Und abermals beging Schmidt den gleichen Fehler wie beim ersten Buch – leider.

Das Bild folgt nicht dem Wort…

Leider vor allem deshalb, weil Schmidt selbst Grafiker und Hobbyfotograf ist, und daher ist es umso unverständlicher, dass seine Fotos oftmals so daneben liegen, dass es zum Himmel schreit. Etliche Male schreibt der Autor, dass man beim I.33 mit weit vorgelehntem Oberkörper stehen soll, und bei fast jedem Foto steht er so aufrecht wie ein Senkblei gerade nach unten hängt. Schreibt er im Text, dass man mit dem Buckler viel Druck ausüben muss, um den Gegner zu binden, so ist dies bei seinen Fotos nicht zu sehen. An anderer Stelle steht, dass man mit dem Buckler die Hände des Gegners wegdrücken soll, bei den dazu gehörenden Fotos ist der Buckler einen Meter vom Gegner entfernt. Die Liste könnte man leider sehr lange so weiter führen.

Verbesserungen zum Vorgängerband

Zwei Verbesserungen gibt es allerdings zum Vorgängerbuch, erstens haben die Kontrahenten im Buch nun unterschiedlich gefärbte Gambesons (schwarz und weiß), und zweitens hat er bei manchen Fotos nun eine Ausgangslinie auf den Boden gezeichnet, um besser zu verdeutlichen, wann man die Kampflinie verlässt und wann man darauf bleibt. Diese Neuerungen sind zwar gut und vor allem notwendig gewesen, dennoch haben beide den Beigeschmack der unbedachten Halbherzigkeit, denn die Gambesons sind viel zu lange, um auch nur ansatzweise Hüft- oder Beinstellungen (Kniestand oder Rotation) zu erkennen. Die Ausgangslinie ist wiederum nicht bei allen Bildern vorhanden oder wird durch manche schlampige Körperhaltung obsolet.

Viele Details und Hintergründe

Kommen wir nun zu den angenehmen und positiven Dingen des Buches. Der Aufbau ist wieder einmal ganz hervorragend. Es ist darin alles zu finden, was fürs Kämpfen mit dem Schwert und dem Buckler wichtig ist. Es gibt Informationen zur Waffe und zur Schutzwaffe, es gibt Details zur Geschichte und auch Belege aus dem historischen Kontext. Schmidt gibt viele Information zu den bekannten Fechtbüchern und behandelt auch die meisten davon.

Endlich, ein Glossar ist da!

Was auch gut und neu ist: der Autor nahm sich selbst an der Nase und bereicherte sein Werk mit einem Stichwortverzeichnis. Dieses beinhaltet so gut wie jedes fachchinesische Wort und macht somit das Arbeiten erheblich einfacher.

Alternativen werden zugelassen

Ebenfalls nett ist es, dass Schmidt vor allem beim I.33 auf die diversen alternativen Interpretationen eingeht. Gerade die teils stark divergenten Auslegungen zwischen ihm und Roland Warzecha (www.hammaborg.de) sind in Fechterkreisen bekannt und es ist schön vom Verfasser, dass er auch Warzechas Variationen den notwendigen Platz einräumt.

Kaufempfehlung ausgesprochen!

Fakt ist, mit seinem Werk ist es durchaus möglich, das Kämpfen mit dem Schwert und dem Buckler zu erlernen. Es ist das Werk, wenn es darum geht, bei Null anzufangen. Anfänger wie auch Fortgeschrittene können von den zehn Jahren Erfahrung, die Herbert Schmidt im Studieren dieser Waffengattung hat, nur profitieren. Er hält mit seinem Wissen keineswegs hinterm Berg. Seine teilweise sehr detaillierten Analysen sind Gold wert und von unschätzbarem Nutzen für die Trainierenden.

Für mich, der selbst bereits jahrelang als Trainer für historisches Fechten tätig ist, gibt es für dieses Buch fast zwei Daumen hoch. Der zweite hängt ein bisschen schief, weil die Fotos mal wieder die Freude trüben.

Daten

Schwertkampf 2: der Kampf mit dem kurzen Schwert und Buckler nach der deutschen Schule

von Herbert Schmidt

Verlag: Wieland; Auflage: 1 (8. Jänner 2009)
Sprache: Deutsch
ISBN 978-3-938711-29-3

Schwertkampf – Band 2